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Haderslev-Hamburg, 27.8.2016

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Lars A. und Lars B.: Dieses Jahr sollte es keine Ausreden geben. Wir wollten von Haderslev in Südjütland nach Hamburg rund 250 Kilometer mit dem Fahrrad fahren und damit an eines der frühesten und bedeutendsten Radrennen in Norddeutschland (seit 1894) erinnern. Das Wetter spielte auch mit und versprach am Samstag (27.8.) bestes Sommerwetter.

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Die Anfahrt gestalte sich einfach, denn wir nahmen die Bahn nach Flensburg, wo es am Bahnhof ein schnelles Abendbrot gab. Dann schwangen wir uns in die Sättel und radelten 60 Kilometer nach Haderslev, wobei wir das hügelige Terrain schon einmal inspizieren konnten. Den Rest der Strecke legten wir bei Dunkelheit zurück und trafen dann rechtzeitig in unserer sehr zentralen und sehr schönen Unterkunft ein.

Am nächsten Morgen verabreichten wir uns schnell Kaffee und Tee, das Frühstück musste warten. Dann ein wenig Spannung: wer würde uns an der Marienkirche (Domkirke) erwarten? Es waren Jesper, Mads und Niels, kurz danach traf auch Lennart Madsen vom ortsanssässigen Museum ein und knipste die kleine Runde von fünf Fahrern.

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Auf schon ging es los. Jesper wies uns den Weg und führte auf echt schönen Wegen Richtung Süden. Die Hügel waren bisweilen recht knackig, was insbesondere ich (Lars A) unangenehm direkt in den Beinen spürte.  

Nach einiger Zeit erreichten wir die Grenze. In Flensburg trennte sich dann die Gruppe und ich (Lars A.) beschloss, alleine weiter nach Hamburg zu fahren.

Lars B.: Welches Tempo die Dänen anschlagen würden, wussten Lars und ich vorher nicht. Schnell wurde deutlich, dass nicht ihre Carbonboliden und elektronischen Schaltungen für das hohe Tempo, mit dem wir durch die Wälder und vorbei an Strandbuchten Süddänemarks rauschten, verantwortlich waren. Die Jungs waren alle verdammt fit. Die 50 km durch Süddänemark, durch Wälder und vorbei an Strandbuchten und Feldern waren schön und schnell vorbei. Lars A. fiel immer wieder zurück. War es das fehlende Frühstück? In Flensburg trennten sich dann unsere Wege. Zu groß war an diesem Tag der Leistungsunterschied. Ungern ließ ich Lars zurück, doch die Dänen konnte ich erst recht nicht ziehen lassen, wollten sie doch bei mir duschen.

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Weiter ging es über ruhige Nebenstraßen, und im Gegensatz zu den 50 km in Dänemark, fast vollkommen flach. Stellen, an denen ich letztes Jahr bei der Streckeninspektion entkräftet Pause machen musste, flogen nur so an uns vorbei. Der leichte Wind kam oft von hinten, was unsere Leistung nur wenig schmälern mag. Plötzlich wurde der Weg immer schlechter und schon standen wir auf einer saftigen Wiese. Vor uns ein Fluss. Alles wieder zurück, neuer Versuch. Schon tauchte der Nord-Ostseekanal vor uns auf. Die Fähre stand schon abfahrbereit. Dann noch ein halber Liter Cola für jeden am Imbiss, und der Zuckerspiegel stimmte wieder um die restlichen 100 km auf uns zu nehmen.

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Irgendwann war dann Schluss mit der Ruhe auf den Straßen. Immer mehr Autos tauchten neben uns auf. Deutliche Zeichen, dass Hamburg nicht mehr fern sein kann. Und tatsächlich waren wir bald auf Hamburger Stadtgebiet. Noch ein paar Ampeln und das Dach der Radbahn in Stellingen tauchte zwischen den Blättern auf. Hier warteten schon die Freundinnen von Jesper und Niels, die die drei und ihre Räder wieder zurück nach Haderslev fahren sollten. Mit 31 km im Schnitt hatten wir das Ziel erreicht. Dazu insgesamt eine Stunde Pause. Ganz schön flott für die Streckenlänge.  

Lars A.: Ich war nun alleine auf weiter Flur. Allerdings auch ohne Track und ohne Karte, das Abenteuer konnte also beginnen. Ich genoss die Fahrt durch Angeln, auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnten, ein wenig im Kreis zu fahren. Die Landschaft konnte ich jetzt richtig genießen. Die Autobahn nach Hamburg wies mir den Weg; ich war froh, als ich sie hinter mir lassen konnte.

Die Navigation gestaltete sich schnell als, nun ja, schwierig. Also ging die Fragerei los. “Wo geht es denn hier nach Hamburg?” Immerhin, die Lacher hatte ich auf meiner Seite. Viele wussten auch gut Bescheid, jedoch nur was den Weg per Auto/Bahn betraf …

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Erst hatte ich keinen Track, dann kam auch noch Pech dazu: Ich verlor Luft, hatte einen Platten, den ich höchst umständlich und zeitaufwändig flicken konnte. (Die ersten Flicken setzte ich komplett daneben, den zweiten verhunzte ich irgendwie, der dritte saß dann - erst mal - bombenfest.)

Weiter ging es. Ich orientierte mich an der Bahnstrecke und wollte, so gut es ging, die Städte entlang der Route “abklappern”. Die Durchfahrt in Schleswig war abermals etwas problematisch. (Vielleicht besorge ich mir in Zukunft doch so ein Navigationsgerät, dieses Zaubergerät, das einem wie von Geisterhand den Weg zu zeigen weiß).

Das gleiche Spiel in Rendsburg. Hier machte nun mein Hinterreifen abermals schlapp. Ich hatte jetzt keinerlei Material mehr an Bord, was ich zum Flicken verwenden konnte. Es war wirklich verflickt & zugenäht. Einen Fahrradladen konnte ich in der Nähe auch nicht ausfindig machen, der ADFC-Stand des Stadtfestes hatte auch nichts Verwertbares. Nun denn.

Also machte ich Feierabend. Für mich sollte es in diesem Jahr also kein “Finish” geben. DNF - Das Navigationsgerät fehlte! Ähem, hüstel, und ein ganz bisschen Fitness vielleicht auch … und ein paar technische Grundkenntnisse … und …

Ich taperte zum Bahnhof und fuhr von dort nach Hamburg-Altona. Nächstes Jahr wird alles anders …

Lars B.: Nach der Ankunft ging es zunächst nach einem schnellen Bier zu mir nach Hause, wo jeder nach einer Dusche zwar nicht unbedingt wieder fit wurde, dafür aber wieder so gut roch, um einen Restaurantbesuch zu wagen. Hier ließen wir das Erlebte (Erfahrene) nochmal Revue passieren. Das war ein schöner Tag mit den netten Jungs, die sehr nett und sympathisch sind. Über Jespers trockene Witze musste ich des öfteren unterwegs lachen. Hoffentlich nächstes Jahr wieder Haderslev-Hamburg!

Lars A.: Mein Fazit? Die Strecke, woweit ich sie genießen durfte, ist wirklich sehr schön. Durch die Städte und damit auf der originalen Strecke zu fahren, davon kann ich reinen Herzens abraten. One Way-Strecken machen erst richtig deutlich, was für eine Entfernung zurückgelegt wird. 250 Kilometer in eine Richtung zu fahren, das ist schon eine kleine Reise. Und Hamburg als Zielort ist wohl für Hamburger und Nicht-Hamburger ein guter Magnet. Neben der Strecke ist vor allem die Geschichte des Rennens sehr charmant. Möglicherweise sehen es einige ja auch so. Wir werden im kommenden Jahr, Ende August oder Anfang September 2017, die Fahrt vermutlich wieder durchführen - dann vielleicht schon als “richtige” Veranstaltung. Wir werden sehen.

Hamburg, den 31. August 2016

Fotos: ABC & Lennart Madsen

Streckeninspektion Haderslev-Hamburg

Haderslev-Hamburg, das Radrennen, welches seit über 100 Jahren im Dornröschenschlaf liegt, soll im September vom ABC wieder ins Leben gerufen werden.

Doch bevor man die hoffentlich zahlreichen Teilnehmer auf die Strecke schicken kann, sollte die Strecke vorher abgefahren werden, um die Fahrer gesund und zufrieden nach Hamburg zu lotsen.

Was lag da näher, als den Dänemark-Urlaub dafür zu nutzen, um auf dem Rückweg dieses zu tun.

Lars A. und Stefan wollten eigentlich auch mitfahren. Da die Wetteraussichten für diesen Tag Regen und Temperaturen unter 10 Grad prophezeiten, entschieden sie sich klugerweise dagegen. Stur wie ich bin, ignorierte ich diese Bedingungen, und sollte dafür meinen Preis zahlen.

Dänemark ist zwar klein, trotzdem waren es 75 km Anreise um von Haderslev aus zu starten.

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Glücklicherweise blies ein kräftiger Rückenwind, der ab Haderslev leider mehr von der Seite und von vorne ein weiteres, schnelles Dahinrollen unterbinden sollte.

Morgens um acht fuhr ich dann ab Hadersleben, wie es auf deutsch heißt, durch eine hügelige, einer Modelleisenbahn ähnlichen Landschaft gen Süden. Bereits nach wenigen Kilometern setzte ein leichter Sprühregen ein, der ab nun mein ständiger Begleiter sein sollte.

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Leider waren meine Beine an diesem Tag noch schlechter als das Wetter, was die Aussichten für den Rest des Tages trübte. Ob es an dem 400er Brevet eine Woche zuvor lag oder an der fettigen, belgischen Leibspeise, welche ich mir am Abend zuvor gönnte und welche auch die Dänen nicht verachten, weiß ich nicht.

So sank das Tempo und meine Laune. Demut musste einkehren um zu akzeptieren, dass es noch viele Stunden so weitergehen sollte.

Ab Abenraade ging es an einer Bundesstraße immer geradeaus. Zum Glück verläuft parallel die Autobahn, so dass der Verkehr nicht wirklich störte.

Kurz nach der Grenze erreichte ich Harrislee, wo ich in einer Bäckerei eine Pause einlegte. Die Ausläufer von Flensburg störten kurzzeitig mit mehr Verkehr, bevor ich wieder ruhigeres Fahrwasser fand.

Die nächsten Stunden wurden dann sogar so ruhig, dass ich ich keine Tankstelle oder ähnliches fand, um mich zu verpflegen. Erst in Hohn wurde ich fündig, wo ich meine fast leere Trinkblase bis zum Anschlag füllte. Weiter ging es in ruhiger Natur, die Wirtschaftswege waren praktisch autofrei.

Erst in der Peripherie von Hamburg wurde ich wieder aus meiner Ruhe gerissen.

Über Quickborn, welches ich nicht „quick“ eher „slow“ durchquerte, ging es über Rellingen nach Hamburg.

Eigentlich wollte ich noch einen Abstecher zur Radbahn in Stellingen machen, wo wir in meinen Träumen im September ähnlich wie bei Paris-Roubaix noch eine Runde drehen werden. Jedoch entschied ich mich dafür, die fahrradfeindliche Kieler Straße als Abkürzung zu nutzen, da aus dem Nieselregen ein kräftiger Schauer wurde und die 250km ab Haderslev schon zu Buche standen.

Wahrscheinlich bin ich nun das erste ABC-Mitglied seit über 100 Jahren, welches diese Strecke unter die Räder nahm. Und wahrscheinlich auch der Langsamste seit Bestehen.

Dreimal verlief die Strecke über nicht asphaltierte Abschnitte, so sollte am Streckenverlauf noch etwas gefeilt werden. Aber bis September ist ja noch etwas Zeit.

Hamburg, den 18. Mai 2015 / Lars B.

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