Das Harro Feddersen-Erinnerungsrennen (1925-1932)

Von Oliver Leibbrand (ABC) und Marc Metzler (RV Endspurt 1905)

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Seit 1925 erinnerte der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 (ABC) posthum an seinen VereingrĂŒnder, Harro Feddersen, mit einem Erinnerungsrennen. Es war als Manschaftrennen ausgeschrieben und fand jedes Jahr im Mai zum Auftakt in die Rennsaison statt.

Auch 1931 gingen die Fahrer bei der GaststĂ€tte Groth an der Elbchaussee auf die Strecke: Sie fuhren ĂŒber Dockenhuden, Schenefeld und Pinneberg hinaus aus der Stadt; dann ĂŒber Wedel, Rissen und Blankenese wieder zurĂŒck zur Elbchaussee zum Ziel. Der Rundkurs war ca. 50 km lang. Alle namhaften Vereine Hamburgs waren am Start: RV Germania, RV Sport Bergedorf von 1893, die Hamburger- und Rothenburgsorter-Radtouristen und der RV Endspurt von 1905 mit drei Mannschaften.

AmSonntagmorgen ging es bei gutem Wetter los. Zahlreiche Zuschauer feuerten die Fahrer am Streckenrand an. Kurz nach dem Start gab esbereits viele StĂŒrze, sodass die ersten Fahrer in Schenefeldaufgeben mussten. Doch „…die amtierende SanitĂ€ts-Kolonne war zurHand und sorgte fĂŒr die nötige ÜberfĂŒhrung der Verletzten insKrankenhaus.“1Ab Pinnberg entbrannte ein heftiger Zweikampf zwischen den Teams von RV Germania und RV Endspurt von 1905. Die erste Mannschaft von den Endspurtlern konnte einen geringen Vorsprung herausfahren und ins Ziel retten. „Der Kampf mit den an zweiter Stelle endenden Germanen war kurz, aber hart“ , analysierte der zustĂ€ndige Sportjournalist knapp. Besonders hob er die Leistung des Fahrers Crackow von Endspurt hervor, der seine Mannschaftskollegen immer wieder zu VorstĂ¶ĂŸen motivierte und bis ins Ziel zusammenhielt. So siegte Endspurt vor zahlreichen Zuschauern, die die Straßen zum Zielbereich sĂ€umten mit einem komfortablen Vorsprung von ca. zwei Minuten.

Hier die Platzierungen der ersten vier Mannschaften:

1. RV Endspurt von 1905  (1:17:57)

2. RV Germania (1:19:58)

3. RV Sport Bergedorf von 1893 (keine Zeitangabe)

4. Hamburger-Radtouristen von 1894 (1:22:23)

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Abbildung: Die Sieger von 1931 RV Endspurt von 1905. Archiv: Endspurt vón 1905  

Auch im darauffolgenden Jahr, 1932, fand das Rennen als klassisches Radrennen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) statt. Höchstwahrscheinlich zum letzten Mal, denn aufgrund der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten, die folglich damit begannen, Sportveranstaltungen als LĂ€nderkĂ€mpfe zu inszenieren und national zu verklĂ€ren, verschwand das Harro Feddersen-Rennen aus dem Hamburger Rennkalender.

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Im Programm zum Erinnerungsrennen vom 8. Mai 1932 mutmaßte der ABC, dass sich manch einer die Frage stellt: „Wer war Harro Feddersen?“ Und noch heute ist kaum bekannt, dass Harro Feddersen der Pionier der Radsportentwicklung in Norddeutschland war. Er war begeisterter Verfechter des Velocipedensports der 1860er Jahre; GrĂŒnder des ABC – Ă€ltester Bicycle-Club der Welt; maßgeblich an der GrĂŒndung des Deutschen Radfahrer Bundes von 1884 beteiligt; unterhielt Kontakte zu sĂ€mtlichen Radsportprotagonisten im In- und Ausland und setzte sich vehement und ĂŒber Jahrzehnte hinweg fĂŒr die gesellschaftliche Akzeptanz des Radfahrens ein. Er hatte auch ein Eisenwaren- und WaffengeschĂ€ft auf der Palmaille in Atona, in dem er Velocipeden, HochrĂ€der und DreirĂ€der sowie Radfahrunterricht anbot. Doch ĂŒber eine so „schillernde Figur“, wollen wir gerne an anderer Stelle noch einmal intensiver berichten.

Quellen: Zeitungsartikel von 1931 ohne Quellenangabe. Internationales Radsportarchiv BadmĂŒnster Eifel.

Programm des Harro Feddersern-Erinnerungsrennes vom 8. Mai 1932. Internationales Radsportarchiv BadmĂŒnster Eifel.

1 Zeitungsartikel 1931 ohne Quellenangabe, Internationales Radsportarchiv BadmĂŒnster Eifel.

2 Ebd.